Mehrheit der Deutschen hat sprachgesteuerte digitale Assistenten ausprobiert

Geschrieben von am 20. November 2017 in Kategorie Web 2.0

Im Alltag der meisten Menschen spielen sprachgesteuerte digitale Assistenten zwar nur eine kleine Rolle, doch es gibt in Deutschland eine große Mehrheit, die der Nutzung dieser Systeme gegenüber aufgeschlossen ist. Laut einer frischen BVDW-Studie haben drei von vier Deutschen bereits Erfahrungen damit gesammelt oder können sich vorstellen, solche Assistenten zu nutzen.

75 Prozent der Deutschen haben laut einer repräsentativen (Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren) Studie durch Kantar im Auftrag des BVDW digitale Assistenten mit Sprachsteuerung bereits ausprobiert oder stehen dem aufgeschlossen gegenüber. Tatsächlich selbst genutzt haben immerhin 56 Prozent der Deutschen mindestens einen digitalen Assistenten mit Sprachsteuerung.

Google liegt vorne

Vorne liegt dabei Google Now bzw. Google Assistant mit 29 Prozent. Siri von Apple und Cortana von Microsoft folgen mit 22 bzw. 14 Prozent. Amazons in den Medien omnipräsente Alexa haben bislang lediglich 12 Prozent verwendet. Da Alexa allerdings bisher hauptsächlich für die Nutzung mit Echo-Lautsprechern ausgelegt ist und es davon abgesehen bisher kaum Nutzungsmöglichkeiten gibt, verwundert dieser Wert nur auf den ersten Blick.

Ansonsten wird nur Bixby von Samsung mit 3 Prozent einzeln aufgeführt, auf „Sonstige“ entfallen 2 Prozent. Angesichts der wenigen Endgeräte mit Bixby und der immer noch fehlenden Unterstützung für die deutsche Sprache ist das ein Achtungserfolg für die Südkoreaner. Samsung hat meiner Meinung nach gute Chancen, einen nennenswerten Marktanteil bei digitalen Assistenten zu gewinnen, weil der Konzern jeden Tag nicht nur unzählige Smartphones und Tablets (und die eine oder andere Smartwatch) verkauft, sondern auch in vielen anderen Produktkategorien wie Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen vorne dabei ist.

Da das heute alles auch Computer sind, stehen die Chancen gut, den Vorsprung der Konkurrenten aufzuholen. Der Markt steht ja erst am Anfang, das Rennen ist meiner Einschätzung nach noch völlig offen. Huawei aus China ist inzwischen auch in westlichen Märkten einer der größten Smartphone-Hersteller und wird seine große Gerätebasis sicher ebenfalls dazu nutzen, seinem im Frühjahr angekündigten eigenen digitalen Assistenten Starthilfe zu geben.

Nicht vergessen sollten wir Clova von der südkoreanischen Naver Corporation, die beispielsweise nicht nur im Heimatmarkt die führende Suchmaschine betreibt, sondern nebenan in Japan (und ein paar anderen Ländern) LINE zum Marktführer bei Instant Messaging gemacht hat. Angekündigt ist, dass Clova beispielsweise auf den von LG entwickelten smarten Lautsprecher namens ThinQ Hub kommt.

Jeder Vierte lehnt Nutzung ab

Zurück zur BVDW-Studie: 25 Prozent der Befragten schlossen eine Verwendung sprachgesteuerter digitaler Assistenten auch für die Zukunft aus. Das bedeutet aber nicht, dass die große Mehrheit keinerlei Bedenken hätte. So ist es nur bei 21 Prozent.

Jeder dritte Studienteilnehmer (33 Prozent) gab an, einen Missbrauch seiner Daten zu fürchten. Ebenfalls jeder dritte fürchtet Überwachung bzw. abgehört zu werden. 29 Prozent stimmten der Aussage „Ich finde es komisch, mit Sprachassistenten zu sprechen“ (Männer: 24 Prozent, Frauen: 34 Prozent) zu; doch das dürfte eine Momentaufnahme sein. Erinnern wir uns nur daran, wie „komisch“ es die meisten Leute in den 90ern fanden, auf der Straße mit einem Handy zu telefonieren!

28 Prozent bemängelten, dass Sprachassistenten ihre Eingaben falsch verstünden. Abgefragt wurden in diesem Themenbereich außerdem: „Missbrauch der Spracherkennung durch Dritte“ (24 Prozent), „Hacking meiner Smart-Home-Anwendungen über Sprachbefehle“ (22 Prozent), „Kontrollverlust meiner Kosten z. B. bei Onlinekäufen“ (14 Prozent), „Kinder können leicht auf bedenkliche Inhalte zugreifen“ (9 Prozent). Sonstige Bedenken äußerten 3 Prozent.

„Dass eine derart neue Art der Kommunikation auf den ein oder anderen befremdlich wirkt, ist vollkommen normal“, kommentiert BVDW-Vizepräsident Achim Himmelreich die Ergebnisse. „Wirklich alarmierend hingegen ist, dass jeder Dritte Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung hat. Hier besteht auch aus Sicht der Branche Handlungs- und Aufklärungsbedarf, denn obwohl es im Anfangsstadium natürlicherweise Bedenken gibt, wird die Konversation mit künstlicher Intelligenz in nicht allzu ferner Zukunft ganz selbstverständlicher Teil des Alltags sein.“

An welchen Funktionen ist das Interesse am größten?

Die Marktforscher wollten außerdem wissen, welche Funktionen auf das größte Interesse stoßen. Das ist die Top 10:

Schneller Zugriff auf allgemeine Informationen (etwa aus Wikipedia): 39 Prozent

Suchmaschinensuche: 38 Prozent

Navigation: 28 Prozent

Multimedia-Anwendungen steuern: 28 Prozent

Diktierfunktion: 25 Prozent

Personen kontaktieren: 22 Prozent

Steuerung meiner Smart-Home-Anwendungen: 19 Prozent

Online einkaufen: 12 Prozent

Essen bestellen: 11 Prozent

Fitness und Gesundheitstracking: 7 Prozent

Welche Rolle spielen sprachbasierte digitale Assistenten in Eurem Leben und was traut ihr ihnen in Zukunft zu?

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