Internet schlägt Print bei News – aber wo ist das Geschäftsmodell?

Geschrieben von am 31. Dezember 2008 in Kategorie Meinung

In den USA hat einer Studie des Washingtoner PEW Research Center for the People & the Press zufolge das Internet die gedruckten Tageszeitungen als Informationsquelle abgehängt. Das Fernsehen bleibt zwar primäres Informationsmedium für nationale und internationale News, liegt bei jungen Menschen jedoch nur noch gleichauf mit dem Internet.

Das Fernsehen büßte nur wenige Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr ein und wurde von den befragten Personen zu 70 % als bedeutende Informationsquelle angeführt. In der Altersgruppe der Personen unter 30 Jahren informieren sich jedoch nur noch 59 % über Fernsehsender, ebenfalls 59 % erreicht bei den jungen Leuten das Internet. (Da Mehrfachnennungen möglich waren, kommen in der Addition der Angaben für alle Medien Werte über 100 % heraus.)

Wie stark die Veränderungen im Mediennutzungsverhalten sind, verdeutlicht nicht nur ein Blick auf 2001: Damals informierten sich erst 13 % aller Befragten via Internet. Dramatisch scheint der Vergleich zwischen 2007, als 24 % das Internet als wichtige Informationsquelle nannten, mit dem Wert für dieses Jahr: 40 %. Die Zeitungen kamen 2001 noch auf 45 %, konnten sich 2003 auf 50 % steigern und stehen inzwischen bei 35 %. Allerdings erfolgte der Abstieg bei Print nicht zeitgleich mit dem Aufstieg bei Online, denn die Zeitungen verbesserten sich von 2007 zu 2008 von 34 auf 35 %.

Für die von der Wirtschaftskrise gebeutelten Tageszeitungen bedeuten die Ergebnisse der Studie des PEW Research Centers schlechte Nachrichten. Der enorme Bedeutungszuwachs des Internets als Informationsmedium bedroht ihre Existenz, obwohl sie mit ihren verlagseigenen Websites zum Teil durchaus beachtliche Userzahlen vorweisen können.

Studien wie die vom PEW Research Center gab es schon einige und nicht erst seit diesem Jahr müsste den Verlagen klar sein, dass sie langfristig – und nicht nur kurzfristig in Folge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise – ein Problem haben. Dennoch scheinen viele Unternehmen, es ist nicht allein die Zeitungsbranche, nicht in der Lage zu sein, adäquat auf die Umwälzungen zu reagieren.

Der Blogger Marcel Weiss von netzwertig.com hat dazu diesen Monat einen sehr empfehlenswerten Artikel mit dem Titel „Von der Unfähigkeit zu lernen“ verfasst. Ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt Sascha Lobo in einem spannenden Videointerview auf dem Medienblog Turi-2. Im Gegensatz zu Marcel Weiss sieht er jedoch eine „Renaissance des Paid Content“ und hält eine reine Werbeabhängigkeit für gefährlich. Bereits im Herbst hat sich ein dritter bekannter Blogger zu dem Themenkreis ausführlich Gedanken gemacht. Unter der Überschrift „Schlechter Online“ sorgt sich Stefan Niggemeier um die Qualität im Journalismus.

Eine von Niggemeiers Thesen lautet, dass im Internet jedes Medium zum Boulevard-Medium werde, weil die seichten Themen den meisten Traffic brächten. Im Internet gebe es keine Abonnementmedien mehr, dafür indes einen täglichen Wettbewerb um die Besucher.

Fest steht: Während die Verlage im Print-Bereich neben der Anzeigenwerbung Einnahmen über den Verkaufspreis erzielen, erscheint die Bereitschaft der Nutzer, für die gleichen Informationen online zu Geld auszugeben, weiter sehr gering. Druck und Vertrieb entfallen zwar als Kostenfaktoren für Nachrichten-Websites, doch die niedrigen Preise für Onlinewerbung bedeuten ein großes Problem für eine Finanzierung von aufwändigem Qualitätsjournalismus.

Dazu kommt die konjunkturabhängige Schwankung bei den Werbeeinnahmen, die derzeit allerdings gerade auch die traditionellen Zeitungen in Bedrängnis bringt. Damit beschleunigt sich der Bedeutungsverlust gedruckter Zeitungen, doch das grundlegende Problem liegt im sich verändernden Verhalten der Nutzer.

Allein für den Onlinebereich, also ohne die Print-Redaktion im Rücken, könnten derzeit keinesfalls so viele professionelle Inhalte auf den Websites der Zeitungen angeboten werden. Insofern handelt es sich nicht bloß um eine Zeitungskrise, sondern um eine Krise des Journalismus, dem das tragfähige Geschäftsmodell wegbricht.

Darunter können dann sogar die Betreiber der Online-Werbenetzwerke leiden, bieten die journalistischen Inhalte doch einen bedeutsamen Teil des Werbeumfelds – ohne Kontext keine kontextsensitive Werbung. Deshalb gab es dieses Jahr immer wieder mehr oder weniger ernst gemeinte Gedankenspiele in Artikeln, ob Google nicht die New York Times kaufen sollteoder gar die Presseagentur Associated Press (AP).

Eine Antwort auf die geänderten Informationsgewohnheiten könnte sein, gedruckte Zeitungsausgaben nur noch wöchentlich zu bieten oder komplett auf Onlinepublikation umzustellen. Bei großer Reichweite (bei Tageszeitungen) oder durch Konzentration auf die richtige Nische (bei kleineren Publikationen wie Blogs) kann Onlinejournalismus profitabel sein, legen die Ergebnisse einer Studie von ContentNext nahe.

In der aktuellen Krise denken die US-Zeitungsverlage jedoch in die andere Richtung und stellen Überlegungen an, die Gratisinhalte im Web einzuschränken und stattdessen den vollen Zugriff auf die eigenen Inhalte nur noch gegen Bezahlung zu gewähren. Für das Wall Street Journal funktioniert das Bezahlmodell, doch so lange es eine große Zahl von Zeitungen gibt, die ihre News gratis anbieten, könnten die User zur kostenlosen Konkurrenz wechseln.

Vielleicht können bezahlte Medieninhalte doch funktionieren, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmen. Immerhin verkauft Apple über iTunes erfolgreich Musik und Videoinhalte und AppStores entwickeln sich – nicht allein bei Apple – zu einem Vertriebskanal, bei dem viele Menschen bereit sind, Geld für Software zu bezahlen.

Mit seinem E-Book-Reader Kindle zeigt Amazon einen Weg, wie der Vertrieb von E-Books gelingen kann. Mit USA Today ist gerade die 21. Zeitung auf den Zug aufgesprungen, um im kostenpflichtigen Abo auf dem Kindle verfügbar zu sein.

Noch ist also offen, welche Geschäftsmodelle künftig erfolgreich sein werden. Unternehmen aller Mediengattungen sind jedoch gut beraten, ihre bisherigen Geschäftsmodelle auf ihre Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen.

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