Blogger als beste Freunde der Zeitungen

Geschrieben von am 23. Mai 2009 in Kategorie Meinung

Die Blogger könnten die besten Verbündeten der Zeitungsverlage sein, wenn es darum geht, Aufmerksamkeit nicht nicht nur im Sinne von Auffindbarkeit für ihre Inhalte zu schaffen. Die Zeitungsverlage und vergleichbare Content-Produzenten sollten aus eigenem Interesse den Bloggern ihre Arbeit erleichtern.

Blogger und Journalisten, das ist oft ein Thema, das sehr emotional geführt wird, nicht selten mit einer gehörigen Portion Ignoranz auf beiden Seiten. Obwohl es diese Seiten angesichts bloggender Journalisten und journalistischer Blogs nicht in Reinform gibt.

Unabhängig von der Frage, ob das künftige Geschäftsmodell der Zeitungen in der Werbefinanzierung, Paid Content oder einer anderen Finanzierungsform liegen wird, ist es im Internet-Ozean des Informationsüberflusses von entscheidender Bedeutung, die Aufmerksamkeit potenzieller Leser zu bekommen. Das möchte ich von einer bloßen Auffindbarkeit unterscheiden, wie sie etwa Google News ermöglicht.

Blogger erfüllen eine ähnliche Filterfunktion wie die Redakteure einer Zeitung. Greift ein Blogger ein Thema auf und zitiert dabei eine bestimmte Tageszeitung als Quelle, spricht er insbesondere dann eine Empfehlung aus, wenn zahlreiche andere Medien ebenfalls das Thema behandeln. Zitiert und verlinkt zu werden, liegt sehr im Interesse der Quellen. Nicht zuletzt handelt es sich um wertvolle Links, die zur besseren Auffindbarkeit der Quelle in den Suchmaschinen führen.

Manche Blogger übernehmen Textpassagen zu großzügig und bewegen sich dabei an der Grenze zum Content-Klau oder schreiben ganze Artikel in eigenen Worten neu auf (bzw. ab). Das ist natürlich nicht in Ordnung, gegen diese Minderheit von schwarzen Schaafen sollten die Rechteinhaber vorgehen.

Generell jedoch sollten die Verlage lieber nach Lösungen suchen, wie sie den Bloggern ihre Arbeit erleichtern können, etwa indem sie ihnen bevorzugten Zugang zu Informationen verschaffen. Ich denke da an Gratis-Zugang zu sonst kostenpflichtigen Archiven, Erlaubnis zur Nutzung von ausgewähltem Bildmaterial sowie in gewissem Umfang an einen direkten Dialog. Die Website der Zeitung könnte sogar ihrerseits auf besonders interessante Blogposts externe Links setzen.

Auf technischer Ebene erscheint besonders das API-Modell des Guardians, bei dem Inhalte komplett mit zugehöriger Werbung über zahlreiche Websites von Dritten den Weg zu ihren Zielgruppen finden sollen, besonders vielversprechend. Je nach Konkurrenzsituation auf Seiten der Inhalteproduzenten könnten die Betreiber der Blogs sogar an den darüber erzielten Einnahmen beteiligt werden. Immerhin sorgen diese auf ihren Blogs für eine höchst zielgruppenspezifische Distribution.

Die Verlage könnten auf diesem Weg eigene Werbenetzwerke aufbauen, möglicherweise in Kooperation mit bestehenden Onlinevermarktern, die über Know-how und Technik in diesem Bereich verfügen. Ähnlich wie im Content-Netzwerk für die Google-Anzeigen könnten die Kunden dann bei diesen primär auf Content Channels basierenden Werbenetzwerken sehr gezielt nach Themen (Ressorts oder Wortkombinationen) oder wahlweise nach Websites, die den jerweiligen Themen-Channel integrieren, ihre Werbung schalten.

Doch selbst ohne Gewinnbeteiligung dürfte der angebotene Content schon sehr interessant sein, denn außerhalb der (wie ich jetzt mal sage) „Content Container“ bleiben auf den Blogs ja noch genügend Werbeflächen zur eigenen Vermarktung übrig. Widgets mit Schlagzeilen oder Teasern für eine Einbindung zur Verfügung zu stellen, wie es Bild.de gerade vorgemacht hat, ist ebenfalls schon ein richtiger Schritt in diese Richtung.

Was alle Medien im Internet benötigen, sind dennoch einzigartige Inhalte. Die Zusammenarbeit der Presseagenturen mit Google News kommt den Zeitungen zwar ungelegen, doch die mehr oder weniger wörtliche Wiedergabe der Agenturmeldungen kann im Zeitalter der Onlinemedien das inhaltliche Angebot in den Onlineausgaben der Zeitungen eh nur ergänzen. Die Agenturen können wertvolles Basismaterial liefern, auf dessen Grundlage die Zeitungen individuelle Artikel erstellen.

Wie sehen unsere Leser das, besonders die Blogger und Journalisten unter Euch? Taugen Zeitungsverlage und Blogger als ideale Partner, die sich die Bälle gegenseitig zuspielen und gemeinsam proftieren können?

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