Verbraucher gönnen sich häufig teure Smartphones – wollen aber weniger ausgeben

Geschrieben von am 23. Februar 2020 in Kategorie Web 2.0

Die Verbraucher in Deutschland würden gerne weniger Geld für neue Smartphones ausgeben. Tatsächlich geben sie aber – durchschnittlich betrachtet – immer mehr aus. Smartphones sind unverzichtbar und den meisten ist wichtig, ein möglichst aktuelles Modell zu besitzen. Das belegen Daten aus einer neuen Bitkom-Erhebung.

Der Markt rund um das Smartphone (Hardware, Apps, Infrastruktur, TK-Dienste) wächst in Deutschland laut Bitkom-Prognosen von 35,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf 36,4 Milliarden Euro (plus 0,9 Prozent) in diesem Jahr. Das wäre ein Plus von 2 Prozent. Den Löwenanteil machen dabei mit 20,2 Milliarden Euro die Daten- und Sprachdienste aus, aber immerhin mehr als halb so groß ist der auf Smartphones selbst entfallende Anteil von 12,3 Prozent, wobei  (plus 3,0 Prozent). Der App-Markt soll auf 1,8 Milliarden Euro wachsen (plus 1,8 Prozent).

„Wie kein anderes Gerät steht das Smartphone für Information, Entertainment und Produktivität – und ungebrochene Faszination. Rundherum ist ein milliardenschweres, innovatives Ökosystem aus Geräten, Apps, Diensten und Netzinfrastruktur entstanden, das immer weiter wächst“, führt Bitkom-Präsidiumsmitglied Dr. Hannes Ametsreiter aus. „Während sich der Smartphone-Absatz in Deutschland auf konstant hohem Niveau eingepegelt hat, sind die Umsätze weiter auf Wachstumskurs. Grund sind die steigenden Durchschnittspreise.“

Weniger neue Geräte, aber steigende Preise

Der Verband erwartet einen minimalen Rückgang um 0,6 Prozent auf 22,9 Millionen neue Geräte in 2020. Da der durchschnittliche Preis pro Telefon den Berechnungen zufolge von 519 Euro auf 536 Euro ansteigt, ist das Umsatzplus in Höhe von 3 Prozent möglich. Der Trend zu größeren und inzwischen nahezu randlosen Displays hält dem Verband zufolge an. Inbesondere die Nachfrage bei teuren Geräten mit besonders hoch auflösenden Kameras sorgt für höhere Durchschnittspreise.

76 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren hat ein internetfähiges mobiles Telefon; das entspricht rund 53 Millionen Menschen. Ametsreiter: „Für die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland ist das Smartphone ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag und nützlicher Helfer in allen Lebenslagen.“

92 Prozent der Nutzer erleben ihr Smartphone als große Erleichterung im Alltag; 80 Prozent können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. 65 Prozent fühlen sich durch die Geräte anderen Menschen näher. Andererseits meinen 79 Prozent, dass Menschen durch zunehmenden Gebrauch von Smartphones weniger miteinander reden würden.

Auf aktuelle Technik möchte kaum ein User verzichten: 58 Prozent kaufen sich eigenen Angaben zufolge stets das neueste Modell. Mit 51 Prozent jeder zweite hat sein aktuelle Gerät vor weniger als 12 Monaten erworben; 30 Prozent haben ihr Telefon seit 13 bis 24 Monaten. Lediglich 16 Prozent verwenden ein mehr als zwei Jahre altes Gerät.

Worauf achten die Verbraucher beim Neukauf?

„Die Innovationen der Hersteller bewegen viele Nutzer dazu, sich regelmäßig neue Geräte zu kaufen. Die Mehrheit macht jede Modellrunde mit“, so Ametsreiter. Hauptauswahlkriterium ist der Erhebung zufolge das Display: So wollen 86 Prozent der User beim nächsten Kauf ein ein stabileres Bildschirmglas achten. 73 Prozent ist die Bildqualität wichtig, 72 Prozent die Größe des Displays. Nur 19 Prozent interessieren sich dagegen für ein Telefon mit faltbarem Display.

Für 82 Prozent ist die Akkulaufzeit kaufentscheidend, 69 Prozent wollen beim nächsten Kauf auf eine höhere Ladegeschwindigkeit achten, 59 Prozent wollen ihr nächstes Smartphone drahtlos aufladen können. Ein wasserdichtes Smartphone wollen 66 Prozent kaufen, ein NFC-Chip ist für 58 Prozent wichtig. Auf einen Fingerabdrucksensor legen 48 Prozent Wert, auf eine Gesichtserkennungsfunktion 47 Prozent. Bereits für 46 Prozent spielt 5G-Kompatibilität eine Rolle, 44 Prozent möchten sich ein Telefon mit DUAL-SIM-Funktionalität holen. Die Verarbeitungsqualität ist für 85 Prozent von Bedeutung.

Erstaunlich wenigen Befragten kommt es auf die Marke an. Nur 54 Prozent ist die Marke wichtig. Dagegen wollen angeblich 92 Prozent das Thema Nachhaltigkeit beim Kauf ihres neuen Telefons berücksichtigen. „Nachhaltigkeit ist den Verbrauchern nach eigenem Bekunden mittlerweile wichtiger als große und brillante Displays, leistungsfähige Akkus und gute Verarbeitung. Für die Hersteller wird es immer wichtiger, transparent zu Nachhaltigkeitsaspekten zu kommunizieren und den Verbrauchern zuverlässige Entscheidungshilfen zu geben“, kommentiert Ametsreiter.

Bei den Verbrauchern steigt zwar seit Jahren die Bereitschaft, sich ihr nächstes Gerät mehr kosten zu lassen. Trotzdem sagen sie, dass sie lieber weniger als mehr ausgeben würden: Durchschnittlich 193 Euro wollen sie für ihr nächstes Smartphone ausgeben. 14 Prozent sind bereit, zwischen 300 Euro und 499 Euro zu investieren, 5 Prozent geben an, mehr als 500 Euro ausgeben zu wollen. Was nach einer großen Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit klingt, klärt Bitkom-Mann Ametsreiter so auf: „Die Mobilfunkunternehmen machen ihren Kunden attraktive Angebote, bei denen Tarife mit Smartphones zu besonders geringen Preisen kombiniert werden, was die niedrigen Wunschpreise erklärt. Die aktuellen Pläne des Verbraucherschutzministeriums, die Vertragslaufzeiten auf ein Jahr zu begrenzen, gefährden dieses Preismodell – zum Schaden preisbewusster oder weniger finanzstarker Verbraucher.“

Wie wichtig ist es Euch, ein aktuelles Smartphone zu nutzen? Was sind Eure wichtigsten Kaufkriterien?

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