Was GfK-Studie und GEZ-Diskussion gemeinsam haben

Geschrieben von am 12. Dezember 2009 in Kategorie Meinung

Während einige Verlage gerade wieder mit Paid Content experimentieren, sprachen sich in einer internationalen GfK-Studie zur Internetnutzung die allermeisten User gegen Bezahlinhalte aus. Das passt sehr gut zur aktuellen Aufregung um die geplante Erhöhung der Rundfunkgebührenpflicht für internetfähige Computer.

Die GfK-Studie wurde im Auftrag von The Wall Street Journal Europe durchgeführt, was ich gleich voranschicken möchte, denn das Wall Street Journal ist es schließlich, was von den Verfechtern von Bezahlmodellen im Internet immer wieder als funktionierendes Beispiel für Paid Content herausgestellt wird. Eine große Ablehnung von Bezahlinhalten war also sicher nicht das, was der Auftraggeber als Ergebnis gewünscht hatte; das erhöht die Glaubwürdigkeit der Studie.

Neben anderen Themen ging es um die Frage, inwieweit die Nutzer bereit wären für Inhalte im Netz Geld auszugeben, „insbesondere wenn es Angebote wie Nachrichten, Unterhaltung und Wissen, wie beispielsweise Wikipedia, beträfe.“ Im Pressetext zur Studie heißt es zu den Ergebnissen: „80 Prozent der in den 17 Ländern Befragten möchten wie bisher kostenlosen Zugriff auf die Inhalte im Web haben: ein Drittel aller Befragen ist der Meinung, dass Internetinhalte werbefrei und kostenlos sein sollten. Die meisten, 46 Prozent, wollen kostenfreien Contentzugang, nehmen aber dafür Werbung in Kauf. Insbesondere die Griechen, Belgier, Schweden und Amerikaner votieren mit über 50 Prozent für freien Content gepaart mit Werbeschaltungen. Der Anteil derer, die Bezahlinhalte akzeptieren, beläuft sich über alle Länder hinweg auf 13 Prozent: 8 Prozent wären bereit, für werbefreie Inhalte zu bezahlen, 5 Prozent akzeptieren Paid Content mit gleichzeitigen Werbeschaltungen. Allerdings gibt es auch Nationen, die den kostenpflichtigen digitalen Inhalten positiver gegenüberstehen: So sind 23 Prozent der Schweden, knapp 20 Prozent der Niederländer und Briten sowie 17 Prozent der Amerikaner bereit, für den Zugang zu Informationen im Web zu bezahlen. Am unteren Ende bei der Zahlungsbereitschaft rangieren die Rumänen (4 Prozent), Polen (5 Prozent) und Spanier (6 Prozent).“

Die Werte überraschen nicht, hervorheben möchte ich nur, dass jeder dritte User sogar nur kostenlose und gleichzeitig werbefreie Inhalte bekommen möchte. Da passt die hitzige Diskussion um die Erhöhung der Rundfunkgebühren, nach denen alle Arten von Empfangsgeräten für öffentlich-rechtliche Inhalte (also etwa auch Smartphones) gleichgestellt würden, bestens ins Bild. Gegen das jetzige Gebührenmodell wie gegen die bisher bekannten Überlegungen lässt sich durchaus eine Menge sagen.

Gerade für die Privatnutzer dürfte die kritisierte Anhebung der Rundfunkgebühren für „neuartige“ Empfangsgeräte auf den vollen Satz, was mehr als einer Verdreifachung entspricht, überhaupt keine Rolle spielen. Wer von denjenigen, die sich gerade so aufregen, lebt in einem Haushalt, in dem es keinen Fernseher gibt? Wenn die Familie einen Fernseher besitzt, muss sie schon voll zahlen, aber doch nur einmal pro Haushalt! Der Ansatz, künftig beweisen zu müssen, dass man überhaupt kein Rundfunkempfangsgerät besitzt, also keinen Fernseher, kein Radio, kein Notebook und kein Smartphone etc., ist zwar bedenklich, doch im Ergebnis wäre die Gebührengerechtigkeit viel größer. Tatsächlich besitzt so gut wie jeder irgendeines dieser Geräte, die Schwarzseher könnten sich ihrer Zahlungspflicht aber nicht mehr entziehen.

Am liebsten würde man gerne alles umsonst bekommen, dieser weitverbreitete Wunsch ist verständlich. Was den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeht, haben die Nutzer keine Wahl. Aber wie sähen wohl die Ergebnisse aus, würde man die Fragestellungen der GfK-Studie leicht verändert auf das Thema Rundfunkgebühren anwenden, wie hoch wäre wohl die Zahlungsbereitschaft? Wie viele Fernsehzuschauer würden freiwillig Rundfunkgebühren zahlen, es freiwillig wäre, also nur, wenn man tatsächlich die öffentlich-rechtlichen Programme anschauen möchte?

Einen gewissen Eindruck davon verschafft der Blick auf extrem den schweren Stand von Pay-TV in Deutschland. Ohne mich dazu aufschwingen zu wollen, das letzte Wort in Sachen Qualität im Fernsehen sprechen zu können, wage ich mich mal ein Stück vor: Zwischen der Programmqualität im kommerziellen Free-TV und im Pay-TV liegen insgesamt Welten.

Für welche digitalen Inhalte gebt Ihr bereits Geld aus und für welche Inhalte lehnt Ihr kostenpflichtige Angebote ab?

Studie zur Internetnutzung

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4 Comments For This Post

  1. hape says:

    Ich lese hier zur vollen Rundfunkgebühr auf PCs: „Betrifft ja kaum einen“. Da Sie auf Statistiken stehen, schauen Sie sich mal an, wie viele Menschen bei der GEZ nur mit Radio ohne TV angemeldet sind (ezwa 2,3 Mio.). Dann schauen Sie sich mal, wie hoch die TV-Quote in Privathaushalten laut Statistischem Bundesamt ist (knapp unter 95%). Zufälligerweise passen diese Zahlen ganz gut zusammen. Trotzdem kann man immer noch sagen: Alles Schwarzseher. Sollen die doch mal beweisen, dass die keinen Fernseher haben. Und da kann man wirklich wenig gegen sagen, wenn man seine Theorien nicht durch Fakten stören lässt und dafür auch bereit ist, sämtliche Grundrechte außer Kraft zu setzen. Von der Unmöglichkeit Nicht-Existenz zu beweisen ganz abgesehen.

  2. Oliver Springer says:

    Beweisen zu müssen, dass man kein Gerät besitzt, halte ich auch für den falschen Ansatz. Aber die derzeitige Lösung macht es Schwarzsehern zu leicht.

    Die Rundfunkgebühr zur Steuer für alle Bürger zu machen, wäre der sehr viel bessere Ansatz. Das könnte eine große Vereinfachung bringen.

    Unterschiedliche Gebühren danach zu erheben, welche Art von Empfangsgerät vorhanden ist, passt jedenfalls schon deshalb nicht in unsere Zeit, weil die Inhalte nicht mehr an ein bestimmtes Medium gebunden sind.

  3. hape says:

    Sicher würde eine Steuer das System vereinfachen. Nur was ist aus dem guten, alten Gerechtigkeitsprinzip geworden? Ist eine gerechte Lösung zu kompliziert, lassen wir sie sausen? Und wieso ist eine einfache Lösung jetzt so verlockend, wo es technisch endlich die Möglichkeit Nichtzahler auszuschließen, denn das bringt ja die digitale Technik mit sich.

    „Unterschiedliche Gebühren danach zu erheben, welche Art von Empfangsgerät vorhanden ist, passt jedenfalls schon deshalb nicht in unsere Zeit, weil die Inhalte nicht mehr an ein bestimmtes Medium gebunden sind.“

    Genau, und daraus sollte man die Konsequenzen ziehen. Das Internet ist eine ganz andere Technik, hat eine ganz andere Kommunikationsstruktur, völlig andere Marktbedingungen als der Rundfunk. Wenn der Rundfunk ins Netz muss, dann muss er sich auch diesen Bedingungen anpassen. Eine Gebühr für alle passt absolut nicht zum Medium Internet, weil die Nutzung dieses Mediums individuell völlig unterschiedlich ist, weil kein Bedarf an Organisationen ist, die die Meinungsvielfalt bewahren.

  4. Oliver Springer says:

    Eine Vielfalt an Meinungen mag so gewährleistet sein, aber was ist mit der Qualität?

    So argumentiert könnte man die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks befürworten.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ja nicht in erster Linie Marktteilnehmer. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems sollten durchaus neu überdacht werden. Aber welche Übertragungswege genutzt werden für öffentlich-rechtliche Inhalte, sollte keinen Einfluss darauf haben, wie viel Geld man dafür bezahlt.

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  1. Paid Content: Qualität entscheidend für Zahlungsbereitschaft | TechBanger.de says:

    […] Zahlungsbereitschaft der User für Online-Inhalte gilt allgemein als niedrig. Aber es kommt sehr auf die Art der Inhalte und die bisherigen Nutzungsgewohnheiten an, belegt […]

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