Paid Content entwickelt sich gut – bis auf News

Geschrieben von am 27. Februar 2017 in Kategorie Web 2.0

Für digitale Inhalte zu bezahlen hat sich durchgesetzt. Wie eine aktuelle Studie zeigt, bleibt die Situation bei Nachrichteninhalten allerdings schwierig. Die User geben ihr Geld lieber für Spiele aus.

Erinnert Ihr Euch noch an die Diskussionen, ob Paid Content im Netz funktionieren kann? Die Beiträge von damals wirken heute wirklichkeitsfremd. Für Apps, Musik, Videos, Games und andere digitale Inhalte wird inzwischen viel Geld ausgegeben. Informationsangebote haben es allerdings weiterhin schwer zahlende User zu gewinnen, wie eine vom DCI Institut zusammen mit der Hochschule Fresenius erstellte aktuelle Studie (2.612 Personen wurden dafür mittels eines Online-Fragebogens befragt) zu Paid Content ergibt.

Starker Anstieg bei der Zahlungsbereitschaft

Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem vorigen Jahr zeigt sich eine abermals größere Zahlungsbereitschaft, die inzwischen auch an den älteren Onlinern nicht mehr vorbeigeht. In der Gruppe der Umfrageteilnehmer ab 45 Jahren haben sich die Verkäufe nämlich nahezu verdoppelt.

Dieses Mal gaben 65 Prozent der Teilnehmer an, künftig Paid Content-Angebote nutzen zu wollen. Neben Spielen lassen sich inzwischen Fachinformationen halbwegs gut verkaufen. Immerhin 15 Prozent aller Befragten gaben an, für Fachinformationen im Netz Geld ausgeben zu wollen, 2016 sagten das erst 12,3 Prozent. Am stärksten ausgeprägt ist das Interesse an kostenpflichtigen Fachinformationen in der Gruppe der Teilnehmer zwischen 55 und 64 Jahren. Die Gaming-Branche ist hier bereits sehr viel weiter: Innerhalb eines Jahres stieg die Zahlungsbereitschaft für Paid Content bei Spielen um 14 Prozent auf 54 Prozent.

Wie in früheren Jahren ist die Zahlungsbereitschaft unter den 18- bis 24-Jährigen Teilnehmern der Studie am stärksten ausgeprägt. In erster Linie wird für Games gezahlt. In der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren liegen Musik und Filme vorne, in der Gruppe zwischen 55 und 64 Jahren Fachinformationen. Onliner ab 65 Jahren bezahlen am ehesten für News.

Lieber gut unterhalten als gut informiert

Einerseits machen diese Daten Hoffnung darauf, dass Internetnutzer lernen, den Wert der Inhalte (und der dahinter stehen Arbeit vieler Menschen) zu schätzen. Andererseits ist es ernüchternd, dass der großen Mehrheit der Onliner ein gutes Informationsangebot nach wie vor nicht mal ein paar Euro im Monat wert ist.

Sicher, es gibt Defizite auf der Angebotsseite, nicht zuletzt, was Usability und Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Die meisten Verlage versuchen online weiterhin, ihr altes Abo-Modell zu retten. Das wird auf Dauer nicht reichen, schon gar nicht, wenn man auch diejenigen zu zahlenden Kunden machen möchte, die noch nie für ein Zeitungsabo bezahlt haben.

In der Offline-Welt musste man sich für ein einzelnes News-Angebot, sprich eine bestimmte Tageszeitung oder ein bestimmtes Nachrichtenmagzin etc. entscheiden; ein Flatrate-Modell – oder zumindest ein Bundle-Angebot für alle Titel eines Verlags, lässt sich mit Print nicht umsetzen. Online ginge das aber schon! Für den vielversprechendsten Ansatz halte ich ein Nachrichten-Angebot, bei dem man – über verschiedene Anbieter, also vielleicht sogar über die einzelnen Verlage – das „Gesamtangebot“ aller teilnehmenden Content-Anbieter lesen kann und die Einnahmen unter den Anbietern aufgeteilt werden. Denkbar ist auch, nur zu bestimmten Themen die Inhalte verschiedener Anbieter zum monatlichen Festpreis zu erhalten, um nicht für Inhalte Geld ausgeben zu müssen, die einen gar nicht interessieren.

Für welche Arte von Paid Content gebt Ihr derzeit Geld aus? Was hält Euch ggf. davon ab, für digitalen Content zu bezahlen?

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