Programmieren lernen: Niemand sollte gezwungen werden

Geschrieben von am 28. August 2017 in Kategorie Allgemein

Ob im Fernsehen oder in sozialen Netzwerken – zunehmend mehr Menschen setzen sich lautstark dafür ein, dass Kinder schon möglichst früh an das Thema Softwareentwicklung herangeführt werden. Teilweise werden sehr radikale Forderungen gestellt, wie z.B. die verpflichtende Einführung des Schulfachs Programmierung. Eine in diesem Zusammenhang oft gewählte Rhetorik: Wenn die Kinder nicht programmieren können, haben sie keine berufliche Zukunft.

Solche Rufe bleiben keineswegs ungehört. Längst haben einige Pädagogen damit begonnen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Es gibt entsprechende Projekte und an immer mehr Schulen haben Schüler die Möglichkeit, das Programmieren zu lernen – meist in Form einer Teilnahme an freiwilligen Kursen.

Unterricht bringt Probleme mit sich

Allerdings gehen mit dieser Entwicklung verschiedene Probleme einher. Ein Punkt, der in den letzten Tagen mehrfach von sich reden machte, ist die Berücksichtigung von Geschlechterrollen. Die Macher einer englischen Studie sind zum Ergebnis gekommen, dass der Informatikunterricht vor allem Jungen anspreche und viele Mädchen deshalb gar kein Interesse daran hätten, das Programmieren zu erlernen. Es ist von einer Benachteiligung die Rede, die einige Leser der Studie auch in Deutschland zu erkennen meinen.

Doch ganz unabhängig vom Geschlecht kann die Frage gestellt werden, ob es denn überhaupt notwendig ist, das Programmieren unbedingt zu erlernen. Schließlich geht es letztlich nur um eine Sache, nämlich die Entwicklung von Software. Diese wird später nicht vom eigentlichen Entwickler, sondern seinen Kunden genutzt, sprich einer größeren Anzahl an Nutzern. Diese programmieren wiederum nicht und müssen es auch nicht. Ihre Aufgabe ist eine vollkommen andere, bei der sie sich von der eingesetzten Software lediglich unterstützen lassen.

Eine Frage der Notwendigkeit

Unter diesem Gesichtspunkt wird deutlich, dass der Softwareentwickler letztlich ein Multiplikator ist. Er erschafft etwas, das später von vielen anderen genutzt wird. Somit ist klar: Nicht jeder Mensch muss über Programmierkenntnisse verfügen. Deshalb sollten wir die Verhältnismäßig nicht aus den Augen verlieren. Was wäre unsere Gesellschaft, wenn alle Mitglieder nur noch Software entwickeln? Es gib so viele Berufe, in denen Programmierkenntnisse überhaupt nicht von Bedeutung sind. Meist genügt es, mit einer Software zu arbeiten.

Dennoch gibt es Gründe, die für das Programmieren im Schulunterricht sprechen. Es bietet sich die Möglichkeit, junge Menschen mit der Thematik vertraut zu machen und Interesse zu wecken. Gleichzeitig kann das frühere Programmieren auch als eine Art Talentförderung betrachtet werden. Einige Kinder und Jugendliche können ihr Talent früh entfalten und damit einen Grundstein für ihre berufliche Zukunft legen. Allerdings ist fraglich, ob deshalb sein muss, ein entsprechendes (verpflichtendes) Schulfach einzuführen.

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